Und hätten wir das schon vorher gewusst,…

10.September 2001. Es ist der erste Schultag. Unsere Tochter ist so voll schöner Vorfreude und großer Erwartung, dass die letzte zwei Wochen nur noch Schule das Thema zuhause war. Wie sind wir alle guter Dinge. Schultüte, schönes Kleidchen und eine gefüllte Schultasche mit einer neuen Federschachtel. Wir sprachen in der Vorbereitungszeit oft über die tollen Sachen, die in der Schule passieren und all die tollen Menschen, die unser kleines Mädchen kennen lernen wird. Nicht zu viel versprochen kommt unsere Maus glücklich nach ihrer Premiere heim und erzählt begeistert mit einem Leuchten in den Augen von ihren ersten Eindrücken.

 

27.November 2001. Der erste Schultag liegt schon einige Zeit zurück. Schulbeginn ist um 07:50. Es ist dunkel, nass und kalt. Wir machen wie schon so oft unser kleines Mädchen für den Schulbetrieb fertig. Im Laufe der Zeit ist das Leuchten aus ihren Augen verschwunden, immer öfter kommt die Frage ob heute Schule ist und wann denn die Ferien beginnen. Manchmal hat sie Bauchweh und sehr oft ist sie unglücklich wenn sie nach Hause kommt. Wir wissen, es gibt Probleme vor allem im Pausenhof und einige der Mädchen sind manchmal gemein zu ihr. Wir sprechen ihr Mut zu und hoffen auf Besserung.

 

12.Jänner 2002. Der erste Schultag liegt schon eine Ewigkeit zurück. Die Schultasche meiner Kleinen scheint 20Kilo zu wiegen. Tapfer schleppt sie die Bücher bei Regen und Schnee in die Schule und nach der Schule wieder nach Hause. Manchmal hat fragt sie uns, warum sie denn in die Schule muss. Es ist oft langweilig und auch wenn sie bereits etwas kann muss sie es sehr oft noch weiter üben. Die Kinder aus ihrer Klasse haben nach der Schule eigentlich nie Zeit sich mit ihr zum Spielen zu treffen und da ist immer noch die Gewalt im Pausenhof. Wir sprechen ihr Mut zu und haben manchmal ein schlechtes Gewissen. Wir denken das erste Mal über eine Alternative nach.

 

27.April 2002. Unser kleines Mädchen hat gute Noten aber sie hat ihre Fröhlichkeit verloren. Fast alles Kindliche an ihr ist auf eine fast schon gruselige Art verschwunden. Selten sind die Momente absolut kindlicher Freude wie wir sie von früher kennen. Wir machen uns Sorgen ob wir schon das beste für unsere Tochter machen und suchen nach Alternativen. Die Lehrerin ist sehr zufrieden mit unserem Mädchen. Unsere Bedenken kann sie nicht verstehen. Kinder würden sich ja entwickeln und auch reifer werden.

 

15.Juni 2002. Es spitzt sich zu. Die letzten zwei Monate konnten wir unser Mädchen nur noch mit intensiver Überredungskunst und auch einem Hauch von Zwang und Druck auf den Schulweg bringen. Die Krankheitsfälle mit unerklärlichem Bauchweh häufen sich und ihre Stimmung nach der Schule ist sogar oft aggressiv. Mittlerweile wissen wir, dass es auch eine Alternative zum schulischen Bildungsweg gibt und führen viele Gespräche mit Menschen, die diesen Weg schon gewählt haben.

 

10.Juli 2002. Danke und Aus

Leave your comment