Jetzt mach mal langsam!

„Jetzt komm schon endlich weiter. Warum stehst du solange nur um einen Regenwurm zu beobachten?“

Unsere Gesellschaft hat in den letzten Jahren enorm an Geschwindigkeit zugenommen und die Entwicklung geht weiter. Immer seltener werden Momente, die man einfach genießen kann.

Computer, Handy, beide Eltern berufstätig, geblockte Urlaubstage, Freizeittermine und Alltag lassen uns von einer Situation in die nächste stressen. Für viele manchmal einfach zu schnel,l zeigen sich schnell Symptome wie Stress, Kopfschmerzen oder im schlimmsten Fall ein Burn Out. Neueste Trends der Urlaubsbranche wie Urlaub ohne Internet, Fasten – und Meditationsprogramme decken den Bedarf nach mehr Zeit für sich und innerer Ruhe ab.

Doch warum in die Ferne schweifen.

Wir haben die perfekten Entschleuniger direkt vor uns. Unsere Kinder.

Kinder haben bis zu einem bestimmten Alter überhaupt keinen Zeitbegriff. Erst wenn man ihnen in der Schule mühsam beibringt dass eine Stunde eigentlich nur 60 Minuten hat und die Schulglocke alle 50 Minuten bimmelt, werden aus den zeitlosen Genießern langsam aber sicher gehetzte Ruhelose.

Ein Spaziergang mit kleinen Kindern ohne festes Ziel und ohne Zeitbeschränkung ist das beste was d

erzeit am Entschleunigungsmarkt zu finden ist. Hier wird beobachtet, hinterfragt und bestaunt was das Zeug hält. Zeit bekommt eine neue Dimension und nicht selten entwischt den begleitenden Erwachsenen ein Seufzer der Entspannung. Wenn es einmal gelungen ist sich auf den Rhythmus der Forscher & Entdecker einzulassen ist die Tatsache, dass man erst ein paar Meter zurückgelegt hat, nebensächlich. Ausserdem eröffnet uns das Kinderauge eine neue Perspektive und Wichtigkeiten werden wieder neu gereiht.

Unser Projekt Brombeerkuchen soll veranschaulichen was ich mit Entschleunigung mit Kindern meine.

Irgendwann entstand die Idee, wir könnten doch wieder einmal alle zusammen einen leckeren Kuchen backen. Brombeeren boten sich an weil sie gerade perfekt reif waren. Wichtig für einen stressfreien Ablauf war, dass es keinen bestimmten Zeitpunkt gab, zu dem wir ein Ergebnis haben mussten. Das bedeutet: Wann auch immer das Ding fertig ist, wird es eben gegessen.

Das Pflücken der dafür notwendigen Beeren war bereits eine Halbtagesaktion, weil wir zu unseren eigenen auch Oma’s Ernte mit verarbeiten wollten, alle Wege zu Fuß erledigtenund jeden Spielplatz mit ins Programm einbauten. Beim Backvorgang selber waren natürlich alle helfenden Hände willkommen und langsam stieg auch die Vorfreude und ein nettes Hungergefühl machte sich bemerkbar. Zwischendurch vergaßen wir sogar phasenweise auf unser Projekt weil wir so in das Spielen und Entdecken vertieft waren.

Das leckere Ergebnis konnte sich anschauen lassen und nach gesamt 5 Stunden hielt auch schon jeder ein feines Stück Kuchen glücklich in der Hand.

 

 

Obwohl wir zeitlich frei waren hatte der gesamte Prozess trotzdem eine hohe Intensität da wir uns nur auf das jetzt konzentrieren konnten und keine Termine einhalten mussten.

 

 

 

Kinder brauchen nicht immer definierte Zeiteinheiten und Erwachsene können sich nur entspannen wenn sie die Freiheit haben im Jetzt zu sein

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