Artgerecht und Selbstaufgabe?

In letzter Zeit bemerke ich eine Elternbewegung die sich als artgerecht und/oder unerzogen bezeichnet.

Mittlerweile durfte ich schon etliche Eltern kennenlernen, die ihre Kinder artgerecht/unerzogen begleiten wollen.

Und weil es in dem Verständnis zu den beiden Begriffen doch oftzu Missverstehen kommt möchte ich etwas dazu sagen.

Artgerechte Haltung bezeichnet eine Form der Tierhaltung, die sich an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere orientiert und insbesondere auf die angeborenen Verhaltensweisender Tiere Rücksicht nimmt. 

Unerzogen ist eine Haltung die Erziehung im weitesten Sinne ablehnt und mit jungen Menschen zusammenlebt und handelt ohne erzieherisch einzuwirken.

 

Was bedeutet das nun im Zusammenleben mit jungen Menschen?

Ich kann natürlich nicht von Andern reden sondern nur von uns und was ich bei Andern sehe, also meine subjektive Meinung.

 

Ich überlege mir jedes Mal:

  • Wie hat Mutter Natur es vorgesehen?
  • Wie passt das in die heutige, in unsere Zeit?
  • Welche Möglichkeiten habe ich?

 

Natürlich ist für mich, dass ich meine Babys niemals weggelegt habe.

Unsere Babys in unserer Familie waren stets auf einem Arm zur Ruhe gebettet und dem Grundbedürfniss nach Nahrung, Sauberkeit und Zuwendung/Ansprache wurde stets stattgegeben.

 

Jedem hier war klar:

Ein Baby hat Vorrang, denn das kann nicht warten, hat kein Zeitgefühl und ist zu 100% von seinen Betreuungspersonen abhängig.

Je älter das Baby und je mobiler desto mehr verlagern sich die Bedürfnisse und die Mutter fängt langsam an sich wieder als eigenständige Person wahrzunehmen.

Der Kontakt zur Außenwelt mit der wichtigen Basis „Mama & Papa“ nimmt zu.

Und der junge Mensch lernt auch mit seinen Grundbedürfnissen zu warten.

In dieser Phase der Abnabelung erlebe ich Mütter (und auch Väter) die ihr eigenen menschlichen Bedürfnisse weiter zurückstellen, als hätten sie es mit einem Neugeborenem zu tun.

Natürlich sind wir Eltern erwachsen und können uns zurück nehmen

Sind  Eltern mit ihren Nerven und Energien dann so am Ende sind, dass nur noch lange Auszeiten (Kuren) ohne Kinder Hilfe bieten, so empfinde ich das als nicht mehr natürlich.

 

Wir als Eltern sollten niemals gänzlich auf uns vergessen sondern im Rahmen der natürlichen Entwicklung auch lernen loszulassen und so unsere Kinder zu stärken.

Wenn wir unsern kleinen Menschen im ersten Jahr (oder auch individuell länger) all die Bedürfnisse stillen (den Brunnen der Liebe, Geborgenheit, Zuversicht und Selbstvertrauen,…) dann ist er perfekt gerüstet um punktuell die Welt draußen zu entdecken.

 

So läuft es auch mit „unerzogen“

Wir empfinden unser Zusammenleben nicht als erziehen sondern als ein Miteinander.

Denn nur miteinander kann eine Gemeinschaft bestehen und nur wenn jeder etwas zu einer Gemeinschaft beitragen kann, empfindet er sich auch selbst als wertvoll und bereichernd und das stärkt das Selbstbewusst sein mehr als jeder Verteidigungskurs.

 

Menschen (egal welchen Alters), die Grenzen anderer übertreten empfinde ich als sehr anstrengend und unangenehm und zumindest in meinem Haushalt werde ich das auch immer so ansprechen.

 

Als Beispiel artgerechtem Zusammenlebens sehe ich immer wieder die Berggorillas im Zoo (oder in Dokumentationen ) vor mir.

 

Gänzlich kleine Affenbabys klammern sich ständig an die Mutter und werden auch von ihr so beschützt.

Mit steigendem Alter und Mobilität erkunden sie ihre Welt.

Übertreten sie da die Grenzen anderer Gorillas (oder die ihrer Mutter) werden sie auch deutlich zurechtgewiesen.

 

Wir sind natürlich keine Affen und würden unsere Kinder weder schubsen noch beißen oder sonst wie körperlich zurechtweisen.

Dennoch kann man seinem Unmut Stimme verleihen und durch deutliche Ansage und Körpersprache die Grenzüberschreitung einfach klar machen.

 

Wenn ich grantig bin weil ich nicht allein aufs Klo gehen kann wird mein Kind auf eine liebevoll gesäuselte Anfrage:

„ Schatzi Butzi Mausi Mamilein möchte bitte allein am Klo sein sei doch so lieb und geh kurz raus“

nicht so reagieren wie auf ein:

 

Ohne Säuseln sondern ein klare Ansage!

 

Gerade in unseren Breitengraden ist es durchwegs möglich sowohl den Bedürfnissen des jungen Menschen als auch seinen eigenen nachzukommen ohne durch Selbstaufgabe seine Identität und seine Energie zu verlieren.

 

Ich freu mich schon jetzt auf dein Feedback!

 

2 replies added

  1. Karina Mann September 10, 2017 Reply

    Hallo Susanne,
    vieles geht in Deutschland wegen dem Schulsystem nicht umzusetzen. Toll geschrieben teile in vielem deine Ansichten. Danke

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